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Jun 23 2017

Zustandsbewertung an Hochschulen – Thema der 49. ATA-Tagung

© Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

In diesem Jahr fand die traditionelle Tagung für die Liegenschaften der Hochschulen verantwortlichen Technischen Leiterinnen und Leiter der Universitäten, Universitätsklinika und Forschungseinrichtungen an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg statt. Ein spannender Vortragsblock, unter anderem mit einem Beitrag der RWTH Aachen, beschäftigte sich mit dem für die Teilnehmer hochrelevanten Thema Zustandsbewertung von Hochschulimmobilien. Unser Branch Manager Marcus Kaminski berichtet über die wesentlichen Erkenntnisse.

 

BLOG-Redaktion: Was versteckt sich hinter dem Begriff Zustandsbewertung an Hochschulen?

Marcus Kaminski: Kurz gesagt, das Facility Management an Hochschulen managt sehr große Immobilienportfolios. Um diese lange und sicher betreiben und ihren Wert erhalten zu können, ist eine möglichst genaue Ermittlung des Zustandes der Gebäudesubstanz und -technik erforderlich. Ausgehend von dem Status Quo können dann sinnvolle Sanierungsstrategien entwickelt und darauf basierende Investitionen geplant werden.

 

BLOG-Redaktion: Gibt es noch weitere Aspekte, die in die Bewertung miteinfließen?

Marcus Kaminski: Ja. Die Gebäudenutzung beeinflusst den Anteil an technischer Gebäudeausrüstung und ein mögliches Gefährdungspotential maßgeblich. Demnach können in normalen Büros, in denen zum Beispiel die Verwaltung untergebracht ist, Schäden über einen gewissen Zeitraum als unproblematisch toleriert werden. Das andere Extrem sind Laboratorien in denen mit Gefahrstoffen oder Strahlung gearbeitet wird. Dort sind bei einem entsprechenden Schadensbild schwere Personenschäden zu erwarten, was ein sofortiges Eingreifen erforderlich macht. Dasselbe gilt für die Bauart, die ein weiteres relevantes Kriterium darstellt. Ein konventioneller Bau wird anders bewertet als ein Sonderbau, ein Hochhaus und eine Versammlungsstätte und erfordert jeweils unterschiedliches Handeln und Priorisieren.

 

BLOG-Redaktion: Wie gehen Facility Manager in der Praxis konkret vor?

Marcus Kaminski: In der Regel wird für die Hochschulgebäude eine Zustandsmatrix mit den genannten Kriterien erhoben. Mit einer Art Ampelsystem wird der Ist-Zustand der einzelnen Gebäude innerhalb einer Liegenschaft dargestellt. Auf Basis der Analyse werden Prioritäten für konkrete Baumaßnahmen oder Ersatzinvestitionen in technische Anlagen festgelegt und eine strategisch fundierte bauliche Hochschulbauentwicklungsplanung vorgenommen. Mit dieser Methode werden auch Gebäude ermittelt, bei denen sich eine Sanierung nicht mehr lohnt und ein Abriss wirtschaftlicher ist. Wichtig ist vor allem der Aspekt Sicherheit: Die Gefährdungsmatrix macht mögliche Risiken für die Gebäudenutzer deutlich. Wenn sicherheitsrelevante Einbauten wie Brandschutz, Elektrik oder Lüftung beispielsweise auf Rot stehen, führt dies zu einer umgehenden Schließung von Gebäuden.

 

BLOG-Redaktion: Welche Hilfsmittel werden hierfür eingesetzt?

Marcus Kaminski: Es gibt zahlreiche Universitäten, die versuchen diese hochkomplexe und verantwortungsvolle Aufgabe mithilfe von Excel bewältigen. Unser Kunde die RWTH Aachen hat auf der Tagung vorgestellt, wie es zukünftig computergestützt mit einem CAFM-System einfacher und transparenter geht.

 

BLOG-Redaktion: Welche Vorteile bietet CAFM?

Marcus Kaminski: Es gibt mehrere wichtige Aspekte. So können Daten einfach und redundanzfrei erfasst und für alle Beteiligten transparent verwaltet werden. Erforderliche Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten können unter Berücksichtigung von gesetzlichen Vorgaben geplant, ausgeführt, evaluiert und budgetiert werden. Das führt zu geringeren Kosten in der Instandhaltung und zu einem längeren Lebenszyklus bei den technischen Betriebsmitteln. IT-Lösungen erlauben zudem den Zugriff auf historische Daten und eine regelkonforme Dokumentation.

Blog-Redaktion: Herzlichen Dank für das Gespräch Marcus!

About the author

Dorothee Biedermann

Dorothee arbeitete bis Aug 2017 als Marketing Managerin bei CONJECT am Standort München und recherchierte für conjectblog interessante Themen oder fragte bei Experten nach.

1 comment

  1. Jörg Jungedeitering

    Guten Tag, sehr interessanter Beitrag. Wir haben festgestellt, dass durch die Kartierung der Gebäude und die Bereitstellung eines Virtuellen Modells, was über einen Browser begangen werden kann, nach kürzester Zeit eine erhebliche Effizienzsteigerung in der Kommunikation und Organisation des Betriebs bringt. Durch die Verbindung des Kartierungsmodells mit den CAfM Systemen wird dieser Effekt noch einmal erheblich gesteigert. Durch die kommenden Anforderungen der EU und der Einfluss der Digitalisierung ist es unumgänglich sich über neue Wege im Betreib Gedanken zu machen.

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