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Dec 01 2015

8. IFM-Kongress an der TU Wien

IFMA-Familie auf dem Wiener Kongress Quelle: Unten, links: Pat Tumbull, IFMA Board Member; 2. von rechts: Nancy Sanquist, Chair of IFMA Foundation; unten, rechts: Diane Coles Levine, IFMA Board Member (Past Chair IFMA Foundation); im Hintergrund, 2. von rechts: Gastgeber Prof. Redlein mit FM-Nachwuchs. © 2015 | IFM | Moritz Wustinger

IFMA-Familie auf dem Wiener Kongress
unten, links: Pat Tumbull, IFMA Board Member; 2. von rechts: Nancy Sanquist, Chair of IFMA Foundation; unten, rechts: Diane Coles Levine, IFMA Board Member (Past Chair IFMA Foundation); im Hintergrund, 2. von rechts: Gastgeber Prof. Redlein mit FM-Nachwuchs.
© 2015 | IFM | Moritz Wustinger

Jährlich findet in der Vorweihnachtszeit in Wien der Internationale Facility Management Kongress statt. Nachdem ich im letzten Jahr erstmalig an dieser renommierten Veranstaltung teilgenommen hatte, war meine Vorfreude auf den 8. IFM-Kongress am 19. und 20.11 an der TU Wien groß.

Denn aus der Vielzahl, der über das Jahr verteilten FM-Veranstaltungen sticht der Kongress von Professor Redlein heraus, weil er

  1. den Menschen in den Mittelpunkt der FM-Prozesse rückt
  2. Wissenschaft und Praxis miteinander verknüpft
  3. international ist
  4. in WIEN stattfindet!

Den Aspekt, dass der Mensch der entscheidende Schlüssel zum Erfolg für moderne FM-Prozesse ist, möchte ich im Folgenden weiter beleuchten. Beispielsweise fallen circa 65 bis 75 Prozent aller Kosten für die Instandhaltung auf Personalkosten, deshalb ist es zwingend erforderlich, die Mitarbeiter nicht nur systematisch zu qualifizieren, sondern auch ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen. Neben funktionalen Aspekten spielt vor allem die Motivation eine große Rolle. Denn nur motivierte Mitarbeiter sind in der Lage, kreativ zu arbeiten und optimale Leistungen abzurufen.

Human Capital
Das Veranstaltungskonzept, den Menschen innerhalb des FM-Prozesses zu fokussieren, macht nicht nur die Veranstaltung sympathisch, sondern hat auch einen ganz pragmatischen Hintergrund. Schließlich ist dies der Schlüssel zu einer Maximierung des Einsparpotentials. Denn eine Steigerung der Mitarbeitereffizienz und eine Stärkung der Mitarbeiterbindung führt zu einer deutlich höheren Kostenreduktion als dies über jede andere Maßnahmen, wie beispielsweise einer Senkung von Energiekosten, zu erreichen wäre.

In den Vorträgen aus Amerika, England, den Niederlanden und Österreich wurde dieses Leitmotiv immer wieder aufgegriffen und anhand von Fakten aus dem Blickwinkel der Unternehmen sowie auch wissenschaftlich untermauert. Fest steht: Ein gutes Arbeitsplatzmanagement wirkt sich immer positiv auf Wohlbefinden UND Produktivität aus.

Wir sind ASICS
Als sehr konsequent kann man den Weg bezeichnen, den das Sportartikelunternehmen ASICS eingeschlagen hat. Denn dort dürfen die Mitarbeiter nicht nur die Räumlichkeiten mitgestalten, sondern ASICS stellt diesen auch umfangreiche Sportmöglichkeiten in einem Sportlaboratorium direkt in der Bürolandschaft zur Verfügung. Darin dürfen nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Schulklassen und die bei ASICS unter Vertrag stehenden Athleten trainieren. ASICS bezieht also in einem ganzheitlichen Ansatz Athleten, Produkte, Kunden und Mitarbeiter in seine CI mit ein.

Die Beispiele für innovatives Workplace Management sind zahlreich. So lässt sich die Mitarbeiterzufriedenheit in Großraumbüros durch die Einführung von Telefoninseln, wie sie z. B. in Googles EMEA Engineering Hub zu finden sind, erheblich steigern.

Healthy Thinking

Gesund werden durch gesunde Gedanken: Landeskrankenhaus Feldkirch mit hohem Wohlfühlfaktor für Patienten, Mitarbeiter und Besucher

Gesund werden durch gesunde Gedanken: Landeskrankenhaus Feldkirch mit hohem Wohlfühlfaktor für Patienten, Mitarbeiter und Besucher

Analoge Beispiele gibt es auch für Krankenhäuser – nur, dass es dort nicht die Mitarbeiter, sondern die Patienten sind, denen man ein angenehmes Genesungsumfeld in Licht durchfluteten Panoramazimmern inmitten der Natur bietet – Stichwort „Kundenzufriedenheit“ oder wie Hr. Wijnja von der Hanze University of Applied Science, Groningen doppeldeutig sagt: „Healthy Thinking“. Auch bei unserem Kunden, der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft in Feldkirch, wurde die Strategie des „gesunden Denkens“ erfolgreich angewendet, wie aus dem Foto hervorgeht.

Baby Boomer sind eine Wissenschaft für sich
Bei all der Fülle innovativer Innenarchitektur stellt sich die Frage, welchen Beitrag die Wissenschaft denn da überhaupt noch leisten kann. Umso mehr hat mich deshalb der Vortrag von Frau Dr. Brenda Groen von der Saxion University of Applied Sciences beeindruckt, da sie mit der Untersuchung des Einflusses der Generationszugehörigkeit auf die Arbeitsplatzwahrnehmung einen Aspekt ins Spiel gebracht hat, auf den ich so schnell nicht gekommen wäre.

Dr. Brenda Groen, Pat Tumball und Prof. Dr. Roscoe Hightower auf dem Gala-Dinner des IFM-Kongresses © 2015 | IFM | Moritz Wustinger

Dr. Brenda Groen, Pat Tumball und Prof. Dr. Roscoe Hightower auf dem Gala-Dinner des IFM-Kongresses © 2015 | IFM | Moritz Wustinger

„Wann waren Sie jung?“ lautet die entscheidende Frage!
Je nachdem, wann wir zwischen 16 und 25 Jahre alt waren, wurden wir von dem Zeitgeist dieser Ära geprägt. In ihrer Analyse hat Frau Groen folgende Geburtsjahre für die Generationszuordnung zugrunde gelegt:

  • Baby Boomers
    1945 – 1964
  • Generation X
    1965 – 1980
  • Generation Y
    nach 1980

Eine wesentliche Erkenntnis ihrer Untersuchung ist, dass die Wahrnehmung des Arbeitsumfeldes eben KEINE Frage des Alters, sondern eine Frage der Generation ist, der man sich zugehörig fühlt. So sind z. B. der Wunsch nach Zusammengehörigkeit und einem kollegialen Umfeld bei Baby Boomern (der ältesten Generation) und der Generation Y (der jüngsten Generation) am stärksten und bei der Generation X (der Home Office Generation) am geringsten ausgeprägt.

Corporate Social Responsibility, CSR
CSR steht für Corporate Social Responsibility – doch was steckt genau dahinter? Im Grünbuch der Europäischen Kommission ist festgehalten, dass jedes Unternehmen Verantwortung für seine Auswirkung auf die Gesellschaft übernehmen soll. Ab 2017 muss in Europa ein festgelegter Kreis von Großunternehmen sogar mit dem Jahresabschluss einen CSR Report zu folgenden Belangen publizieren:

Soybean Sprouts During Early Growth © United Soybean Board, Flickr, CC BY 2.0

Soybean Sprouts During Early Growth © United Soybean Board, Flickr, CC BY 2.0

• Umweltbelange
• Sozial- und Arbeitnehmerbelange
• Achtung der Menschenrechte
• Bekämpfung von Korruption und Bestechung

Aber auch mittlere und kleine Unternehmen wenden sich verstärkt CSR zu, stehen also zu ihrer unternehmerischen Verantwortung und präsentieren sich als gesellschaftlich engagierte Unternehmen.

In der Ausprägung ihrer CSR-Aktivitäten unterscheiden sich die deutschsprachigen Länder von internationalen Unternehmen: Während in D/A/CH vor allem ökologische Inhalte bedient werden, stehen international eher soziale Themen im Fokus. Im deutschsprachigen Raum sind die ökologischen CSR-Inhalte in Form der Themen „Energieeinsparungen“, „Fuhrparkmanagement“, „Abfall- und Entsorgungsmanagement“ sowie „Sicherheit, Gesundheit, Umwelt“ bereits fester Bestandteil der CAFM-Systeme. Die sozialen Komponenten in einer Softwarelösung abzubilden ist nicht trivial. Aber vielleicht wäre ein Wohlfühlfaktor, in den wie in die Note eines Gebäudezustandes in einer Art Summenparameter die Befindlichkeit der Mitarbeiter eingepreist ist, ja schon ein guter Anfang.

Fazit
Der IFM-Kongress ist eine Keimzelle, die die international agierenden FM-Player im Herzen Europas zusammenwachsen lässt. In diesem Jahr wurde der Beweis erbracht, dass mit dem “Hofieren” des Menschen im Arbeitsumfeld mehr Kosten als mit technischen Möglichkeiten eingespart werden können. Frei nach dem Motto: statt Leistung fordern, Leistung fördern! Schön, dass es Professor Redlein und seinem Team in diesem Jahr wieder mühelos geglückt ist, den Wohlfühlfaktor auch in die eigene Veranstaltung zu integrieren.

About the author

Dr. Christof Duvenbeck

Christof arbeitet als Key Account Manager am Standort Duisburg. Als gelernter Diplom-Chemiker kennt er sich mit anspruchsvollen Prozessen bestens aus und kombiniert in der täglichen Arbeit für CONJECT seine wissenschaftlicher Expertise mit der Praxiserfahrung, die er über die Jahre als Entwickler in der CAFM-Branche gesammelt hat. Die Neugierde für unbekannte Elemente ist sein stetiger Begleiter und unterstützt ihn bei der Konzipierung von Kundenlösungen immer wieder nach neuen Wegen zu suchen. Der Vater von zwei Kindern liebt es Körper und Geist in Bewegung zu halten. Deshalb zieht es ihn regelmäßig raus in die Natur wo er besonders bei Alpenwanderungen den Weitblick genießt. Seinen geistigen Horizont erweitert er durch Bücher von Stephen Hawkins oder Michio Kaku und hat er Lust auf Musik von Nirvana oder den Red Hot Chili Peppers, greift Christof einfach selbst zur Gitarre.

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